Der Nymphensittich

 

Als Nymphensittichliebhaber haben wir uns zwar auch einem Tier mit einem nicht unerheblichen Kuschelfaktor zugeschrieben. Doch wenn wir diese Tiere nicht nur zu unserem Vergnügen halten, sondern auch weil wir Freude daran haben sie glücklich zu wissen, dann befinden wir uns sicher schon in der geeigneten Richtung mit der Natur zu leben.
Die Nymphensittichfibel möchte alle Nymphensittichhalter darin unterstützen ihren Schützlingen das Leben in menschlicher Obhut so annehmlich zu gestalten, dass diese ihre Existenz weitest gehend nicht als ein Leben in Gefangenschaft empfinden.

 

Hier ein paar Daten

Der Nymphensittich ist ein Kakadu und gehört zu den Papageien.
Mitte des 19. Jahrhunderts, etwa um 1840 brachten Vogelhändler die ersten Wildfänge nach Europa. Ab etwa 1850 wurden sie hier gezüchtet.

1788 nannte der am 8. August 1748 in Tübingen geborene Mediziner und Naturwissenschaftler Johann Friedrich Gmelin den Nymphensittich “Kakadusittich” mit der lateinischen Bezeichnung “Psittacus novae-hollandiae” wobei novae-hollandiae auf die Herkunft verweist. Denn die ersten Entdecker Australiens waren holländische Seefahrer und nannten den Kontinent Neu-Holland (lateinisch: novae-hollandiae).
Der schottische Ornithologe Robert Kerr legte 1792 den heutigen Artenname “Hollandicus” fest.
Der am 28. März 1800 in Nürnberg geborene Zoologe Johann Georg Wagler stellte 1832 die Gattung Nymphicus auf. Er verstarb noch im gleichen Jahr an einer Schussverletzung die er sich selbst zuführte.
Der heutige wissenschaftliche Name “Nymphicus Hollandicus” wird seit 1832 verwendet.

Die Systematik des Nymphensittichs

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Kakadu (Cacatuidae)
Gattung: Nymphensittiche (Nymphicus)
Art: Nymphensittich

Wissenschaftlicher Name:
Nymphicus Hollandicus
Kerr, 1792

Englischer Name:
Cockatiel,
Cockateel,
Cockatoo parrot

Dem Nymphensittich wird heute eine Sonderstellung zugewiesen, er wird häufig in einer eigenen Unterfamilie der Kakadus geführt. Die Unterfamilie “Nymphicinae” führt mit Nymphicus nur eine Gattung. Es wird eine gemeinsame bereits ausgestorbene Stammform vermutet. Aus dieser hätten sich vermutlich in gleicher Linie Plattschweifsittiche, Nymphensittiche und eben Kakadus entwickelt.
Mittlerweile ist die nahe Verwandtschaft zu Rosakakadu (Eolophus roseicapilla), Rabenkakadu (Calyptorhynchus) und den Helmkakadus (Callocephalon fimbriatum) nach gewiesen.

Erscheinungsbild und Körperbau:

Die etwa 30 bis 35cm langen und etwa 70 bis 110 Gramm schweren Vögel können bei guter Pflege in menschlicher Obhut ein Alter von etwa 25 bis 35 Jahren erreichen.
Die Wildform, das heißt so wie der Nymphensittich in der Natur vorkommt ist grau mit weißen Flügelflanken und einem orangefarbenen Wangenfleck der sich direkt über dem Gehöreingang befindet und deshalb theoretisch auch Ohrenfleck genannt werden könnte. Bei den männlichen Nymphensittichen, also die Hähne bildet sich während der Geschlechtsreife im Alter zwischen 6 und 9 Monaten eine prägnante gelbe Gesichtsmaske aus, die gelb-schwarze Querbänderung an der Schwanzunterseite und die Perlung auf der Flügelunterseite verschwindet mit der zeitgleichen Jugendmauser.
Die Henne hat ihre Jungmauser im gleichen Alter, aber behält ihr Aussehen.
Seit etwa Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden neben der Wildform viele verschiedene Farbschläge gezüchtet. Darunter sind Lutinos, Albinos, Weißköpfe, Zimter, Geperlte, Schecken etc. und Kombinationen daraus. Bei letzterem Farbschlag, den Schecken ist eine Geschlechtsbestimmung anhand des Gefieders nicht möglich, aber auch bei einigen der anderen Farbschläge ist die Geschlechtsbestimmung oftmals nur mit einem geschulten Auge oder anhand des Verhaltens der Vögel zu bestimmen.
Eine weitere Möglichkeit der Geschlechtsbestimmung stellt ein DNA-Test da, dieser kann mit einer Feder gemacht werden.

Natürlicher Lebensraum und Ernährung:

Nymphensittiche leben in trockenen Gebieten im inneren Australiens. Ihr Wildbestand gilt als abnehmend. Nymphensittiche leben in kleineren Schwärmen von etwa 30 bis 50 Individuen, die sich wieder rum saisonal mit anderen kleinen Schwärmen zu größeren Schwärmen von mehreren tausend Nymphensittichen zusammen tun.
In ihrem natürlichen Lebensraum ernähren sich Nymphensittiche größtenteils von Gräsern, Hirse, Getreide und anderen Körnersamen. Während der Futteraufnahme am Boden verbleiben einzelne Schwarmmitglieder auf erhöhtem Posten um rechtzeitig auf Gefahren aufmerksam und warnen zu können.

Fortpflanzung und Sozialverhalten:

Nymphensittiche beginnen mit ihrer Brutsaison abhängig vom Nahrungsangebot. Möglich sind zwei bis drei erfolgreiche Bruten im Jahr. Ihre Nistplätze befinden sich meist in Wassernähe. Nymphensittiche bevorzugen Eukalyptusbäume um dort in gut drei Meter Höhe ihre Nisthöhlen anzulegen. Das Nymphensittichgelege besteht durchschnittlich aus etwa vier bis fünf Eiern und die Brutdauer beträgt etwa 21 Tage. Die Elterntiere wechseln sich beim brüten ab. Ein Nymphensittichküken wiegt etwa 3g beim Schlupf, die Augen öffnen sich etwa ab dem achten Tag.
Mit vier Wochen beginnen sie mit ihren Flugversuchen. Selbstständig sind Nymphensittiche etwa mit 10 Wochen. Geschlechtsreif werden Nymphensittiche zwischen 6 und 9 Monaten.
Nymphensittiche leben innerhalb ihres Schwarms meist monogam, sie besitzen dennoch ein ausgeprägtes Gruppenverhalten.